Im Gespräch mit Nikolas Raeth über seinen Weg im Leistungssport, die U20-Weltmeisterschaft und den Alltag zwischen Training und Schule
Für die meisten Schülerinnen und Schüler ist eine Weltmeisterschaft etwas, das man vor allem aus dem Fernsehen kennt. Für Nikolas Raeth wurde sie in diesem Jahr Wirklichkeit. Der Schüler des Gymnasiums Salzgitter-Bad besucht die 13. Klasse und verbindet dort die Vorbereitung auf das Abitur mit seinem ambitionierten Weg im Leistungssport.
Als Deutscher Meister im 400-Meter-Hürdenlauf qualifizierte sich Nikolas für die U20-Weltmeisterschaft in Eugene (USA). Dort trat er gegen die besten Nachwuchsathleten der Welt an und sammelte Erfahrungen, die weit über einen einzelnen Wettkampf hinausgehen. Gleichzeitig musste er weiterhin Schule, Lernen, Training und Wettkämpfe miteinander verbinden.
Wie fühlt es sich an, plötzlich bei einer Weltmeisterschaft zu stehen? Wie kommt man überhaupt dorthin? Und wie schafft man es, Leistungssport und die Oberstufe miteinander zu vereinbaren? Im Interview berichtet Nikolas von seinem Weg, seinen Erfahrungen bei der Weltmeisterschaft und seinen Zielen für die Zukunft.
Plötzlich stehst du bei einer Weltmeisterschaft
Frage: Nikolas, wie fühlt es sich an, Deutscher Meister und WM-Teilnehmer zu sein?
Nikolas: Es war einfach atemberaubend und irgendwie unreal. Für mich war es eine Bestätigung für die ganze harte Arbeit.
Frage: Was war dein erster Eindruck, als du das WM-Stadion betreten hast?
Nikolas: Ich dachte zuerst: „Wow, wie groß!“ Besonders beeindruckend waren die neun Rundbahnen. So etwas gibt es nur bei großen Meisterschaften.
Frage: Was war bei der Weltmeisterschaft anders als bei einem Wettkampf in Deutschland?
Nikolas: Es gab viel mehr Presse und Fotografen. Außerdem wurde international kommuniziert. Ich habe mich deshalb manchmal gefragt, ob ich wirklich alles verstanden habe, was mich jemand gefragt hat.
Frage: Wie hast du die Tage vor deinem Rennen erlebt?
Nikolas: Die Aufregung wurde immer größer. Trotzdem habe ich mir keinen Druck gemacht. Ich wollte den Lauf genießen. Ich wusste: Jetzt bin ich schon hier, also kann ich auch schnell laufen.
Frage: Was ging dir unmittelbar vor deinem WM-Vorlauf durch den Kopf?
Nikolas: Ich wollte ruhig bleiben, schnell laufen und mutig angehen.
Frage: Wie bewertest du dein Rennen heute?
Nikolas: Vielleicht war es nicht hundertprozentig optimal, aber auch nicht super schlecht. An einigen Hürden habe ich etwas zu lange gebraucht. Dadurch konnte ich meinen Rhythmus nicht über den ganzen Lauf durchziehen und habe Zeit verloren, was mich vielleicht eine persönliche Bestzeit und somit auch die Teilnahme am Halbfinale gekostet hat. Aber mit der WM-Erfahrung bin ich für dieses Jahr super zufrieden.
Wie kommt man überhaupt bis zu einer Weltmeisterschaft?
Frage: Wie hat deine Leichtathletikgeschichte eigentlich begonnen?
Nikolas: Meine Eltern haben mich damals zur Leichtathletik mitgenommen. So bin ich dazu gekommen.
Frage: Was hat dich damals an der Leichtathletik begeistert?
Nikolas: Mich hat begeistert, dass die verschiedenen Disziplinen ganz unterschiedliche Anforderungen haben. Manche fordern eher Technik, andere Kraft oder Schnelligkeit.
Frage: Wann hast du gemerkt, dass mehr als ein Hobby daraus werden könnte?
Nikolas: Nach Corona konnte ich meine ersten Titel auf niedersächsischer Ebene gewinnen. Dadurch bin ich auch auf meinen jetzigen Trainer getroffen.
Frage: Wann wurde die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft für dich zu einem konkreten Ziel?
Nikolas: Nach der Qualifikationszeit, die ich in Mannheim gelaufen bin, wurde mir klar, dass eine Teilnahme wirklich greifbar ist.
Frage: Welche Stationen waren auf deinem Weg besonders wichtig?
Nikolas: Wichtig waren vor allem die Vorbereitung im Training, zum Beispiel in Trainingslagern in der Türkei und auf den Kanaren, und die ersten Wettkämpfe am Anfang der Saison.
Frage: Was fasziniert dich am 400-Meter-Hürdenlauf?
Nikolas: Jeder hat eine andere Rennstrategie und trotzdem kann vieles funktionieren. Jeder kann seine eigene Art haben, das Rennen zu laufen.

Zwischen Training, Klausuren und Abitur
Frage: Wie sieht dein Alltag als Schüler und Leistungssportler aus?
Nikolas: Ich habe sehr viel Training und gleichzeitig Schul- und Lernaufgaben. Deshalb ist gutes Zeitmanagement besonders wichtig.
Frage: Wie viele Trainingseinheiten absolvierst du in einer normalen Woche?
Nikolas: Ich trainiere sechs Mal pro Woche. Dazu gehören zwei ruhige Laufeinheiten, eine Hürdeneinheit, eine Tempoeinheit und zwei Krafttrainings.
Frage: Wie organisierst du Training, Schule und Lernen?
Nikolas: Ich lerne viel in Freistunden und in Ausfallstunden. So kann ich die Zeit besser nutzen.
Frage: Was machst du in besonders stressigen Schul- und Wettkampfphasen?
Nikolas: Ich versuche, Ruhe zu bewahren und mich nicht zu sehr zu stressen. Außerdem muss man Prioritäten setzen und überlegen, was für die Zukunft wichtig ist.
Frage: Wer unterstützt dich auf deinem Weg besonders?
Nikolas: Meine Freundin unterstützt mich beim Lernen und fragt zum Beispiel Inhalte ab. So kann ich sogar auf der Fahrt zum Training lernen. Meine Eltern helfen mir im Haushalt.
Frage: Welche Rolle spielen Schlaf, Ernährung und Regeneration in deinem Alltag?
Nikolas: Schlaf ist das A und O. Genauso wichtig ist die Regeneration, denn ohne beides könnte ich kein hartes Training absolvieren. Bei der Ernährung ist es zunächst wichtig, genügend Energie für den Körper zu bekommen. Vor einem Wettkampf muss man außerdem darauf achten, was man isst.
Was bleibt von einer Weltmeisterschaft?
Frage: Was war bisher dein größter sportlicher Moment?
Nikolas: Der Lauf bei der Weltmeisterschaft.
Frage: Was hast du bei der Weltmeisterschaft für dich persönlich mitgenommen?
Nikolas: Ich habe gesehen, dass ich zur Weltspitze gehören und auch auf hohem Niveau meine Leistung zeigen kann.
Frage: Welcher Athlet hat dich dort besonders beeindruckt?
Nikolas: Der Tscheche Michal Rada hat mich über 400 Meter besonders beeindruckt. Er hat als Europameister den Titel gewonnen und dabei einen Europarekord aufgestellt.
Frage: Gab es einen Moment mit einem großen Leichtathletik-Star, der dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Nikolas: Der Sieger im 100m-Lauf Tate Taylor war im selben Hotel auf unserer Etage. Das war sehr beeindruckend. Nach seinem Sieg wurde dort mit ihm gefeiert.
Frage: Was möchtest du nach dem Abitur sportlich und persönlich erreichen?
Nikolas: Sportlich möchte ich mich an der deutschen Spitze stabilisieren. Persönlich möchte ich studieren und danach einen Job finden.
Ein Weg, der weitergeht
Nikolas’ Geschichte zeigt, dass große sportliche Ziele und schulische Herausforderungen gleichzeitig möglich sind – wenn man bereit ist, Zeit zu investieren, Prioritäten zu setzen und dranzubleiben. Die Weltmeisterschaft war für ihn dabei nicht nur ein besonderer Wettkampf, sondern auch eine wichtige Erfahrung: Er hat erlebt, dass er sich auf internationalem Niveau messen und seine Leistung zeigen kann. Jetzt geht es für ihn weiter – mit dem Abitur vor Augen und neuen Zielen im Sport und im Leben.
