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| Intranet | AnnikaPiep- piep. Piep- piep. Das überlaute Klingeln des Weckers reißt Annika aus dem Schlaf. Sie blickt auf das Ziffernblatt, sechs Uhr früh. Dann sackt sie wieder in ihre Kissen zurück. Schon vor dem Aufstehen hat sie grässliche Kopfschmerzen und die Beine tun ihr weh vom gestrigen Joggen. Annika steht trotzdem auf, streckt sich und öffnet das Fenster. Wieder ein neuer Tag. Sie atmet tief ein und aus und geht ins Bad. Dort steht SIE, gleichzeitig ihre beste Freundin und Feindin: die Waage. Langsam zieht Annika sich aus und steigt darauf. Dann das Ergebnis: Achtunddreißig- Zwei, bei ihrer Körpergröße ein BMI von 15. Sie hatte weiter abgenommen. Mit einem lächeln auf den Lippen tritt Annika vor den großen Spiegel. Kritisch dreht sie sich hin und her, besieht sich ihren Körper. Viele Leute sagen ihr, sie sei zu dünn, sie ist anderer Meinung. Sehen die anderen denn nicht, dass sie normalgewichtig ist? Ein Kilo, denkt sie, ein Kilo muss noch runter, dann bin ich zufrieden. Also gut. Annika spritzt sich kaltes Wasser ins Gesicht, zieht sich an und geht in die Küche. Ihre Familie sitzt schon am Frühstückstisch, Zeitung lesend, kauend. ESSEN. Alles in Annika sträubt sich, schließlich setzt sie sich und nippt an ihrem Tee, Orangensaft trinkt sie nicht. Eine Unterhaltung kommt nicht zustande, alle lesen Zeitung. Doch Annika ist sowieso beschäftigt, dauernd geistert ihr der Satz der Psychologin durch den Kopf: "Du hast die Verantwortung, aber wenn du weiter abnimmst, kommst du in eine Klinik… Es ist nur zu deinem Besten, Annika..." Sie möchte nicht in eine Klinik, natürlich nicht. Sie möchte nicht jeden Tag ihr Gewicht angeben müssen und aufdiktiert bekommen, was sie essen muss. ESSEN. Annika nimmt sich Müsli, genau zwei Esslöffel, und gießt etwas Milch darüber. Sie kaut, schluckt. Und ekelt sich vor sich selbst. Schließlich steht sie auf, ignoriert den Blick ihrer Mutter als sie ihr Pausenbrot stehen lässt und zieht sich ihre Jacke an. Ein kurzer Abschiedskuss, dann geht sie los in die Schule. Mit dem Schulstoff hatte Annika noch nie Probleme, war immer eine der Besten der klasse. Es wurde auch schon über sie hergezogen, sie wurde eine Streberin genannt. Doch im Grunde hielt sich das in Grenzen, denn Annika ist sehr angepasst, manchmal sogar unsichtbar für die meisten Leute... Der Vormittag verläuft genau wie immer. In der großen Pause werden die Pausenbrote herausgeholt und einer von Annikas Klassenkameraden verteilt Muffins. Sie lehnt dankend ab, so etwas würde sie nie herunterbekommen, nie. Stattdessen isst sie nichts und schaut den anderen dabei zu. Ein Gefühl von Stärke bemächtigt sich ihrer. "Ihr habt es nötig, euch vollzustopfen! Euer einziges sinnliches Erlebnis ist das Fressen. Ich brauche das nicht!", denkt sie. Als sie gefragt wird, warum sie nichts isst, sagt sie, sie hätte keinen Hunger. Sie hat nie Hunger, alles, aber keinen Hunger. In der 6. Stunde bekommt Annika Kopfschmerzen, die sie aber ignoriert. Als es klingelt, verabschiedet sie sich von ihren Freundinnen und läuft die Treppen hinunter. In der Pausenhalle riecht es nach Pizza, Annika sieht Lehrer und Schüler ihr Geld hervorkramen. Ihr wird übel. Wie konnte man nur so etwas in sich hinein stopfen? Nein, nicht in tausend Jahren würde sie wieder Pizza essen! Sie läuft nach Hause, in Gedanken ist sie beim Mittagessen. Soll sie oder soll sie nicht? Sie könnte sagen, sie hätte in der Schule gegessen… oder bei einer Freundin... Doch dann denkt Annika an ihre Familie, die sich solche Sorgen um sie macht… an die Psychologin... Sie weiß, dass sie krank ist. Und dass sie nur wieder gesund wird, wenn sie isst. Genug isst. Manchmal ist sie so wütend auf sich und die ganze Situation, darauf, dass nicht einfach alles in Ordnung ist. Dann hat sie wieder furchtbare Angst. Vor Magensonden und Männern in weißen Kitteln, die sie nach ihrem Gewicht fragen… Und manchmal ist sie von Zuversicht erfüllt und denkt, dass sie durchaus wieder eine normale Einstellung zum Essen bekommen kann. Wenn sie es nur will... "Ja", denkt Annika, "Ja, es ist zu schaffen. Ich will wieder Energie haben und lachen können…" Dann schließt sie die Haustür auf, begrüßt ihre Mutter und setzt sich an den Tisch. Zum Mittagessen. J. Fabisiak Letzte Aktualisierung: Thursday, 1. November 2007 13:15:31 Verantwortlich: Webmaster E-Mail: webmaster@gymszbad.de |
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