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Die ersten Jahre der Gehobenen Schule

Erster Leiter der Gehobenen Schule wurde Ernst Ludley, der in Salzgitter eine geachtete Stellung einnahm. - Für die Aufhebung seiner Privatschule zahlte ihm die Gemeinde eine angemessene Entschädigung. - Neben ihm unterrichteten der Predigtamtskandidat cand. min. (ministerii) Gelpke und die technische Lehrerin Fräulein Härzer, die vorwiegend Handarbeit gab.

Ein eigenes Schulgebäude stand nicht zur Verfügung. Das 1864 errichtete Schulhaus (Altstadtschule) war 1897 durch vier Klassenräume und vier Lehrerwohnungen erweitert worden. In diesem östlichen Anbau fand die Gehobene Schule eine bescheidene Unterkunft. Sie bezog zunächst zwei Klassenräume.

Die Einrichtung der beiden ersten Klassen erfolgte 1900 mit Kosten von 400,- Mark. Es wurden angeschafft: acht Bänke zu je 23,- Mark, zwei Katheder zu je 28,50 Mark, eine Tafel zu 18,- Mark, „Lehr-Utensilien“ im Werte von 100,- Mark. Die Reparatur der alten Bänke und der Rolladen kostete 14,- Mark.

Salzgittersches Kreisblatt
Salzgittersches Kreisblatt

Der Unterricht begann am 26. April 1900 mit 41 Schülern, davon 12 Mädchen. Die überraschend hohe Zahl der Anmeldungen kann als Vertrauensbeweis der Eltern in die neue Schule gewertet werden. Aufnahmeberechtigt waren laut Schulordnung vom 20. März 1901 Kinder, welche drei Jahre lang die Volksschule besucht oder einen entsprechenden Privatunterricht erhalten hatten. Vom elften Lebensjahr ab wurden Schüler nur in Ausnahmefällen zugelassen. Um das „Fortkommen“ der Schüler zu gewährleisten, führte die Schule in Zweifelsfällen Aufnahmeprüfungen durch, welche bis 1910 öffentlich waren. Die Prüfungen bezogen sich auf Lesen, deutsche Sprachlehre, Kopf- und Tafelrechnen und auf die Anfertigung eines Diktats. -Für die Jungen war ab Sexta eine Fremdsprache Pflichtfach. Wählte jemand Latein als erste Fremdsprache, konnte er bei entsprechenden Leistungen im 2. Jahr mit Französisch, im 3. mit Englisch beginnen. Die Mädchen, sofern der Wunsch bestand, und die Nichtlateiner unter den Jungen begannen mit Französisch im 1., mit Englisch im 3., gelegentlich auch im 2. Jahr. Im übrigen mußten die Schüler an sämtlichen Unterrichtsveranstaltungen ihrer Klasse teilnehmen. - Über die Teilnahme am Gesangsunterricht entschied der den Unterricht erteilende Lehrer. Für die Jungen war Befreiung vom Turnunterricht nur aufgrund eines ärztlichen Attests möglich. Den Mädchen konnte auf schriftlichen Wunsch der Eltern Turnunterricht erteilt werden.

Die Altstadtschule um 1900
Die Altstadtschule um 1900

Schulstempel Meist verließen die Jungen die Schule am Ende der Quarta oder der Untertertia, um auf eine der weiterführenden Schulen der näheren oder weiteren Umgebung überzuwechseln, wo sie nach bestandener Aufnahmeprüfung in die nächst höhere Klasse aufrückten. - Die Mädchen blieben etwas länger in Salzgitter. Sie hatten dann die Möglichkeit, in einer höheren Mädchenschule oder höheren Töchterschule, wie z. B. in Goslar, Wolfenbüttel, Braunschweig, Halberstadt oder Hannover aufgenommen zu werden.

Unsere durch vorbildliche Fach- und Sammlungsräume, durch Sport- und Turnhallen „verwöhnten“ Schüler hätten für die „Leute“ von damals nur ein mitleidiges Lächeln übrig gehabt. Die Sportler der Gehobenen Schule verfügten in den ersten Jahren nach der Gründung über einen Schleuderball, einen Stoßball und einen ledernen Fußball. Barren, Keulen, Stäbe und andere einfache Turn- und Sportgeräte sowie den Turn- und Spielplatz und die „Turnhalle“ teilten sie mit den Sportlern der Volksschule. Die Zusammenarbeit ist immer reibungslos verlaufen. Die Tradition des guten Sportunterrichts am Gymnasium Salzgitter-Bad zeigte sich schon 1903, als beim 25. Gauturnfest des Braunschweigischen Turngaues in Salzgitter von allen Schulen und Vereinen lediglich die Gehobene Schule mit einer Mannschaft antrat - und erfolgreich war.

Sportriege in der „Turnhalle“, 1906, Keulenschwinger der Untertertia
Sportriege in der „Turnhalle“, 1906, Keulenschwinger der Untertertia

Text Schulbücher Fachräume für die „Naturlehre“ gab es nicht. Dennoch war dieser Unterricht keineswegs nur theoretisch. Im Klassenzimmer wurde der Zeit und den Umständen entsprechend eifrig experimentiert. Schon in den Anfangsjahren besaß die Gehobene Schule eine bescheidene physikalische Sammlung. Dazu gehörten ein Thermometer, eine kommunizierende Röhre, ein Saugheber, ein Stechheber, Kapillarröhren, eine hydraulische Presse, ein Segnersches Wasserrad, ein Heronsball mit Gummistopfen, ein Heronsbrunnen, eine Feuerspritze, ein Hufeisenmagnet, eine Elektrisiermaschine, eine Leydener Flasche, eine Glühbirne auf Stativ, drei Trockenelemente, ein Elektromagnetstab, ein Induktionsapparat, eine elektrische Klingel, eine Telephon-Mikrophon-Kombination, ein Glas- und Hartgummistab, ein Experimentierkasten „Elektron“ und eine Rolle Isolierdraht. (Dafür hatte die Schule insgesamt 80,- Mark gezahlt.)

Die Sexta in ihrem Klassenzimmer, Schuljahr 1908/09, mit der wissenschaftlichen Lehrerin Frl. E. Brocks als Klassenlehrerin
Die Sexta in ihrem Klassenzimmer, Schuljahr 1908/09, mit der
wissenschaftlichen Lehrerin Frl. E. Brocks als Klassenlehrerin

Um bei den „Ausstattungen“ zu bleiben: Für das Musikkorps der Schule wurden zwei Trommeln, sechs Flöten und zwei „Adler“ angeschafft. Zwei Wandkarten von Deutschland und von Europa hatte 1900 freundlicherweise Superintendent Kleuker aus seinem Privatbesitz zur Verfügung gestellt. Er berechnete dafür 20,- Mark. Eine kleine, noch vor dem Weltkrieg angelegte Bibliothek wurde von Frau Tiensch (später Gentzsch) verwaltet.

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Letzte Aktualisierung: Sunday, 27. February 2005 20:05:17
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