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Grenzerfahrungen – Aidswaisen in Kenia“
 

 Täglich steigt in Afrika die Zahl von Kindern, die ihre Eltern an den Folgen von Aids verloren haben. Im Gedenken an sie starteten

 
Geert Schroeder (Abi-Jahrgang ’97-Gymn. SZ-Bad) u. Immanuel Schulz
 
im März 2009 zu einer 5 Monate dauernden und über 9000 Kilometer weit reichenden „Grenzerfahrungsexpedition“, die mit dem Fahrrad von Berlin bis nach Kenia führt.
Am 16.3.2009 machte Geert Schroeder mit seinem Freund Immanuel Schulz an seiner ehemaligen Schule in Salzgitter-Bad Station und präsentierte in der Aula seine Expeditions-Lichtbilder-Show „Grenzerfahrungen“.
Die Fahrrad-Enthusiasten möchten mit ihrer Expedition die Aufmerksamkeit auf die Unschuldigsten dieser afrikanischen Tragödie lenken: die unzähligen auf sich allein gestellten Waisenkinder.
Sharifa, ein 6-jähriges kenianisches Mädchen, ist eines dieser vielen Waisenkinder. Sie hat eine tief bewegende und berührende Geschichte hinter sich.
Inzwischen lebt sie mit acht weiteren Kindern im „Malaika Children’s Home“ (www.malaika-projekt.de) in der Nähe von Nakuru in Kenia, ins Leben gerufen von Geert Schroeder – eine Oase inmitten der kenianischen AIDS-Hölle mit Kindern, die wieder lachen, spielen, malen und zur Schule gehen können, ein Dach über dem Kopf haben und gesund sind. So wie Sharifa – ein Kind, das seine eigenen „Grenzerfahrungen“ ... von einem verlassenen, einsamen und hilflosen Geschöpf hin zu einem glücklichen Kind.
Dieses Projekt unterstützen Schroeder und Schulz mit Vorträgen im Verlauf ihrer außergewöhnlichen Fahrrad-Tour.
 

Vielen Dank für die Unterstützung durch den Schulverein des Gymnasiums Salzgitter-Bad und dem "Arbeitskreis Religionspädagogik u. Medienpädagogik" (ARPM).

 

Ein erster Bericht ...

Geert Schroeder schreibt in unterschiedlichen Abständen von seiner Charity-Tour für sein AIDS-Waisen-Kinderheim in der der Nähe von Nakuru.

"Hallo, nach Deutschland!
 
Immanuel und ich sind nun 100 km suedlich von der suedafrikanisch-namibianischen Grenze angekommen. Wir sind sicher: unsere Baeuche sind nach 700 schweisstreibenden Kilometern duenner geworden, aber das "Malaika-Grenzerfahrungen-Spendenkonto" stetig dicker.
Es ist bislang aussergewoehnlich heiss in Suedafrika gewesen.
Nach einer kleinen Etappe an der Kueste sind wir nun in bergigeren Regionen. Alles ist trocken und steinig. Die Wege sind (noch) asphaltiert - eine wahre Freude, dort langzuradeln...auch wenn der Gegenwind ab und an echt stoert.
Die Suedafrikaner auf der N7 (einer Art Autobahn-Landstrasse Richtung Norden) sind sehr freundlich: hunderte male schon wurde freundlich gehupt, gewunken und ein "Daumen nach oben" gezeigt. Eine deutsche und eine suedafrikanische Flagge an meinem Rad wehen im Fahrtwind.
Nun geht es am Samstag morgen hinein nach Namibia - dort erwarten uns lange Etappen ohne Doerfer und Staedte. Das wird sicher ein enormes Wassermitschleppen.
Wir freuen uns, somit tiefer ins "typische" Afrika zu kommen (hier ist alles doch ziemlich westlich).
 
Ganz liebe Gruesse also von den beiden "Malaika-Radlern"
 
Geert / Immanuel"
 

Bericht vom 24.04.

"Ein liebes Hallo aus Windhoek, der Hauptstadt von Namibia -

 

Nun sind wir knapp 2.000 Kilometer in Afrika unterwegs und sind bester Laune. Nach dem spektakulaeren Besuch des Fish-River-Canyons folgte ein ergreifender Besuch eines Gebietes, in dem die fuer Namibia bekannten Koecherbaeume stehen: Abend- und Morgensonne tauchten diese skurille Pflanze in traumhaftes Licht. Weiter folgte die Tour nach Norden. Ziel: eine Farm, deren Besitzer Immanuel kennt. Um diese moeglichst frueh zu erreichen, mussten wir sehr kraeftezehrende Etappen einlegen: "184km" standen am 19. und "198km" am 20.4. abends auf unseren Tachos - wir waren echt am Ende, freuten uns dann aber sehr ueber eine kurze Auszeit auf der Farm. Nachts konnten wir durch Teleskope schauen, die auf der Farm installiert sind - unvergesslich der Blick in das Universum bei diesen klaren naechtlichen Sichtverhaeltnissen!

Weiter ging es nach Windhoek - wir wurden ganz herzlich vom deutschen Botschafter, Egon Kuchanke empfangen. Medien waren vor Ort, auch das Radio war an einem Interview interessiert! Gestern haben wir dann einen Einblick in die AIDS-Problematik Namibias bekommen - mit der Organisation Care International sind wir in die Slums von Windhoek gefahren und haben uns AIDS-Waisenkinderheime angesehen.

Morgen folgt noch ein Besuch eines Hilfsprojektes, ehe es dann am Montag Richtung Botswana ostwaerts rollen soll.

Ausfuehrliche Infos wie immer auf www.grenz-erfahrungen.blogspot.com!

 

Nochmals ganz liebe Gruesse an euch alle,

 

eure Globetreter Immanuel und Geert."

 

Bericht vom 03.08.2009

"Liebe Freunde,

obwohl ihr im Moment Tausende von Kilometern entfernt von diesem Platz entfernt seid, seid ihr mir dennoch gerade ganz nahe, denn ein turbulenter Tag und eine aufregende Woche gehen zu Ende,...die unvergessliche Radreise liegt hinter uns! Wir sind in Nakuru beim Hilfsprojekt angekommen! Ich schreibe euch diese Zeilen zu später Stunde. Alle "Malaikaner", die diesen Tag heute mit uns verbracht haben, sind nun zu Bett gegangen und ich sitze alleine in dem gemütlichen Aufenthaltsraum des Malaika-Children`s Home. Deutlich sind die Spuren zu sehen, dass hier heute eine Menge los war...

Zum Abschluss der Expedition lest zu einer gemütlichen und ungehetzten Stunde diese etwas ausführlichere Mail.

In diesem Moment, wo die "grenzerfahrungen"-Tour in Afrika vorbei ist, gehen mir immens viele Gedanken durch den Kopf - vor allem der eine, dass ich all denen, die diese Tour mit unterstützt haben (mit Ideen, Spenden, helfenden Händen etc.) von tiefem, ja dem allertiefsten Herzen dafür danken möchte. Noch in Deutschland damals wusste ich oftmals kaum Worte zu finden, wie ich mich für die diverse Hilfe bedanken kann. "Komm heile wieder, radel nicht zu risikoreich und sei ein Botschafter für ein warmherziges Deutschland - das wäre fuer uns das schönste Dankeschön!", hat einer der vielen Unterstützern im März noch gesagt. Nun sind wir also angekommen, heute morgen um 11 Uhr, und mir ging dieser Satz durch den Kopf. Ich hatte Tränen in den Augen, als wir uns dem Heim über den mir vertrauten Schotterpisten näherten. Denn ich wusste: Wir haben es geschafft! Das Ziel ist erreicht! Wir kommen gesund zurück nach Deutschland!

Verständlich, denke ich, dass ich nach zweieinhalb Jahren Planung so bewegt war - und befördert wurde mein kleiner Tränenfluss dadurch, dass wir am Compound nicht nur die mir so liebgewonnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Projekts in die Arme schliessen konnten (noch nie habe ich bei einem Wiedersehen jeden einzelnen so herzen wollen), nein, auch sehr viele Menschen aus der Nachbarschaft (mehr als 200 Personen) feierten mit uns die erfolgreiche Reise und die Ankunft an diesem warmen kenianischen Tag.

Wochenrückblick:
Schon der letzte Grenzübertritt, die letzte "Grenzerfahrung" gewissermassen, war bewegend. Mein lieber Freund Sadiq ("Daddy" des Heims, 65 Jahre und sooo herzlich zu den kleinen Kindern) hüpfte wie ein aufgeregtes Kind auf den kenianischen Seite hin und her. Zu unserer Begrüßung hat er den weiten Weg an die Grenze zu Tansania angetreten, zusammen mit einem 13-köpfigen kenianischen Radsportteam, das unser Projekt unterstuetzt. Sadiq, in einem Fahrzeug sitzend, und das Rad-Team begleiteten uns die finalen 270 Kilometer nach Nakuru.
Die trockenen flachen Regionen Südkenias sind grundsätzlich schoen anzusehen, doch dieser Genuss war uns oftmals verwehrt, da der Kraftfahrzeugverkehr unangenehm zunahm, je näher wir uns Nairobi näherten. Dort, in Nairobi dann, begann der Showdown. 31.7.: Im Vormittagsprogramm des riesigen TV-Senders Citizen durfte ich live 20 Minuten in der Morningshow vom Projekt und der Tour berichten. Mit dem Taxi dann ruckzuck in das Serena-Hotel, eines der vornehmsten Hotels der Stadt, das uns einen Konferenzraum kostenfrei zu Verfügung gestellt hat. Grund: das Malaika-Team hatte es geschafft, die kenianische Ministerin für Jugend und Gender einzuladen und eine Zusage bekommen - und für einen solch hohen Besuch (und für eine Pressekonferenz!) braucht man einen edlen Platz. Zudem kam der stellvertretende Botschafter Deutschlands. Wie erhofft erschienen die relevanten Medien, so dass mittlerweile unsere Bilder über die TV- und Interviews über die Radiosender der Nation ausgetrahlt wurden. In der größten Tageszeitung, der Daily Nation, erwarten wir einen ausführlichen Bericht für kommenden Dienstag.

Und dann die letzte Etappe nach Nakuru. Steil ging es hinauf, immer entlang des Grabenbruchs des Great Rift Valley. Vorbei am Vulkan Mount Longonot, am Lake Naivasha und dann zum Flamingosee Lake Elmentaita, wo wir die letzte Expeditionsnacht verbrachten. Start heute morgen, 2.8. - von dort waren es nur noch 30km nach Nakuru. Eskortiert von Sicherheitspolizei steuerten wir auf die Stadt zu. Wahrlich traumhaft, angekommen zu sein!

Das Malaika-Team hatte dann ein ausgefeiltes und liebvolles Nachmittags-Show-Programm für die vielen kenianischen Gäste ausgetüftelt. Die Stunden vergingen wie im Flug.

Ich kann meine Gefühle kaum richtig in Worte fassen, die ich empfand, als ich die kleinen Kinder nach langer Zeit wieder in den Arm nehmen konnte. Allen geht es rundum gut: sie lachen, strahlen ein unnachahmliches Lächeln und erwärmen unser aller Herzen. Zu der mich ebenso begeisternden Geschichte des Centers gehoert, dass seit meinem letzten Aufenthalt im Dezember 2008 insgesamt 7 weitere Kinder aufgenommen werden konnten - u.a. die jüngsten der nun 15 Kinder: Joce, Kibe und Sheila, alle anderthalb Jahreoder jünger.
Bevor ich den letzten Newsletter versende, möchte ich euch noch kurz etwas über die zuletzt angesprochene Sheila berichten: das kleine Maedchen, das ich heute für lange Zeit auf dem Arm getragen habe, ist HIV positiv. Sie ist die einzige unter all den Kindern, deren kürzlich vorgenommener Test nicht gut ausfiel. In all dem Trubel des Tages habe ich - sie auf dem Arm tragend - nochmal ganz deutlich durch ihr Herzpochen und ihr Lächeln gespürt, warum ich das alles begonnen habe und hier so viel ich es kann helfen möchte. Diese Kinder haben eine Zukunft verdient.

Ich denke an euch.
Alles Liebe aus Kenia,

euer Geert

[auch im Namen vom schlafenden Immanuel und all den hier anwesenden Malaikanern!]"


 



Letzte Aktualisierung: Thursday, 6. August 2009 23:51:05
Verantwortlich: Martin Gosch
E-Mail: gosch@gymszbad.de
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